Autor: Oliver

  • Rückblick – Vuelta de España – Part II

    Rückblick – Vuelta de España – Part II

    Von Mende über Millau nach Cap d’Agde: Sonnenfahrt durch Südfrankreich

    Früher Aufbruch und perfekte Wetterbedingungen

    Am frühen Morgen verließ ich Mende und spürte sofort die kühle Bergluft auf der Haut. Meine Navigations-App „AmiGO“ führte mich auf eine malerische Strecke durch das Zentralmassiv bis hinab nach Millau. Trotz morgendlicher Frische lachte die Sonne bereits ungetrübt vom Himmel – mit Ausnahme weniger Tropfen in der Eifel am ersten Tag, hatte ich auf dieser Tour durchweg perfektes Wetter.

    Rast in Millau und Erinnerung an das Viadukt

    Im Zentrum von Millau füllte ich meine Vorräte im lokalen Supermarkt auf: Wasser und eine Coke Zero für den nächsten Abschnitt. Dann zog es mich hinauf zum Domaine de Saint Estève, dem Hotel, in dem ich 2024 übernachtet hatte. Von dort bot sich ein atemberaubender Blick auf das Viaduc de Millau – ein kurzer Moment der Ruhe, eingeleitet von Vanessas liebevoller Überraschung: einer Bifi-Roll als Proviant.

    Hitze und Stau: Die Fahrt nach Cap d’Agde

    Je weiter ich das Zentralmassiv verließ, desto wärmer und schwüler wurde es. Mit jedem Höhenmeter Richtung Mittelmeer stieg das Thermometer an. Schließlich erreichte ich Cap d’Agde, doch die Anfahrt dort war weniger idyllisch: Das Navi zeigte nur 15 km an, doch das ständige Stop-and-Go an unzähligen Stoppschildern machte daraus 45 Minuten quälenden Schrittfahrens. Und dann setzte leichter Regen ein – meine Stimmung sank.

    Enttäuschung im Appart’Hotel Prestige Odalys Nakâra

    Das Résidence Prestige Odalys Nakâra war auf meiner Reise das teuerste Hotel, hinterließ aber leider einen völlig unbefriedigenden Eindruck. Für ein vier Sterne Hotel erwarte ich mehr: Es gab nicht einmal Kosmetiktücher. Obwohl das Hotel eher als Ferienwohnung deklariert ist, finde ich bei einem Preis von über 270 € für zwei Nächte eine tägliche Zimmerreinigung selbstverständlich – diese wurde jedoch nicht angeboten. Die Küchenzeile war zwar mit nahezu jedem Gerät ausgestattet, aber eine kleine Aufmerksamkeit wie Kaffee- oder Teebeutel als Begrüßung, wie man es selbst in 2- bis 3-Sterne-Hotels oft hat, fehlte völlig. Besonders überrascht war ich über die hohe Kaution. Das einzig Positive war das sehr freundliche Personal, das diesen Aufenthalt zumindest menschlich angenehmer gestaltete. Aufgrund des schlechten Preis-Leistungs-Verhältnisses werde ich nicht wiederkommen.

  • Rückblick – Vuelta de España – Part I

    Rückblick – Vuelta de España – Part I

    Zwischen Vulkanen und Zischenden Maschinen
    Der Blick auf den Puy de Dôme, diesen mächtigen Vulkanrücken im Herzen der Chaîne des Puys, war bereits beeindruckend genug, um spontan unten zu verweilen. Da meine KTM-Duke kein hundertprozentig sicheres Koffersystem besitzt, traute ich mich nicht, Gepäck und Wertsachen unbeaufsichtigt zu lassen. Deshalb habe ich den Gipfelsturm und die Fahrt mit der Panoramabahn auf meinen nächsten Besuch verschoben. Der Vulkan wird auch dann nicht weglaufen – und ich kann entspannt ohne Gepäck reisen.

    Kurvenparadies Zentralmassiv
    Am folgenden Tag schlängelte sich die Route kurvenreich durch das Zentralmassiv entlang windgepeitschter Hochebenen und tiefer Schluchten. Plötzlich tat sich im Nirgendwo ein kleines Café mit integrierter Tankstelle auf – der perfekte Ort für einen Espresso und einen kurzen Plausch mit Einheimischen. Frisch gestärkt und getankt ließ ich den Motor wieder aufheulen und setzte die Fahrt in Richtung Mende fort.

    Mende im Sonntagsoutfit
    In Mende kehrte ich in das Brit Hotel Confort Deltour Mende ein – „enttäuschender Aufenthalt mit schlechtem Preis-Leistungs-Verhältnis. Empfang unfreundlich, Zimmer muffig, Schimmel in der Dusche, laute Hauptstraße. Frühstück qualitativ enttäuschend – gepackter Käse, nur trinkbarer Kaffee. Keine Entschuldigung vom Management. Kein Wiederkommen!“

    Brit-Hotel
    Eine wirklich schöne, saubere Stadt – Mende
    Frühstück – manchmal ist „nix“ besser

    Genau an diesem Sonntag tobte in Mende ein Stadtfest, doch fast alles war trotzdem geschlossen. Für das Abendessen blieb nur ein Besuch bei McDonald’s – nicht gerade Gourmet, aber in dieser ungewöhnlichen Festtagskulisse passte es fast schon wieder. Weiter geht in von Mende, über Millau nach Cap d’Agde.

  • Volumen, Versuch & Verzweiflung – Packprobe mit Abenteuerfaktor

    Volumen, Versuch & Verzweiflung – Packprobe mit Abenteuerfaktor

    Oder: Wie ich mit weniger Taschen mehr Platz schuf und trotzdem ratlos blieb

    Der Countdown läuft. Der 18. August rückt unaufhaltsam näher, und damit auch der Startschuss für mein diesjähriges Motorradabenteuer zur Vuelta. Und wie jedes große Abenteuer beginnt auch dieses – na klar – mit einer der größten Herausforderungen: dem Packen.

    Nun, wer mich kennt, weiß: Ich bin nicht erst seit gestern unterwegs. 2024 war ich mit einer Kombination aus KTM Powerparts Seitentaschen (33 Liter) und einer Q-Bag Hecktasche (50 Liter) unterwegs. Alles gepasst, alles gewackelt – irgendwie typisch KTM halt. Doch dieses Jahr? Dieses Jahr wird alles anders. Dieses Jahr gibt’s KRIEGA.

    Die neue US-30 Tasche, edel, robust und mit dem Volumen eines mittleren Kleiderschranks, hat mich beim Probelauf heute überrascht. Und zwar richtig. Ich stopfte sie locker mit allem voll, was ich letztes Jahr mühsam auf drei Taschen verteilen musste – und hatte noch Luft nach oben. Kurzum: Die Tasche schluckt mehr als der Magen nach einer belgischen Frittenspezialität in Bastogne.

    Aber dann begann das Grübeln:
    Brauche ich überhaupt mehr?
    Nur weil ich mehr reinbekomme, heißt das doch nicht, dass ich mehr mitnehmen sollte, oder?
    Oder doch? Schließlich bin ich dieses Mal länger unterwegs!

    Das sollen 30 Liter sein?
    KRIEGA US 30

    In Cap d’Agde wartet immerhin eine Waschmaschine. Das beruhigt – zumindest theoretisch. Praktisch weiß ich aber auch: Wer plant, unterwegs zu waschen, packt trotzdem immer zu viel. Das ist wie „nur kurz was gucken“ bei YouTube – endet nie wie gedacht.

    Also stehe ich nun vor der philosophischen Grundsatzfrage aller Motorradreisenden:
    Packe ich, was ich brauche – oder alles, was reinpasst?

    KRIEGA US 30, US 20 und eine 10er RHINOWALK

    Die heutige Generalprobe war damit weniger eine logistische Aufgabe als ein kleiner psychologischer Selbstversuch. Ergebnis: unentschieden. Ich brauche wohl noch weitere Durchgänge. Und Kaffee. Viel Kaffee.

    Fortsetzung folgt. Wahrscheinlich beim nächsten Probelauf. Oder beim endgültigen Taschen-Tetris kurz vor Tourstart. Stay tuned.

    Update 17:27 Uhr

    So nimmer mehr

    Stattdessen 2×30 Liter KRIEGA. Die erste ausschließlich mit Bekleidung, die Tasche ist zu ⅔ gefüllt, inklusive der 10 Liter Tasche, als Reserve – Shopping in Andorra.

    In der weiteren 30 Liter fassenden Tasche, Regenbekleidung, Werkzeug, Öl, Reifenpannenspray, 2 Liter Kraftstoffersatzkanister etc.

    Siehe da, immer noch Platz 👍

  • Kurven, Kalkulationen und Kindheitserinnerungen – Mit der Duke durch die Ardennen Samstag, 10. Mai 2025

    Kurven, Kalkulationen und Kindheitserinnerungen – Mit der Duke durch die Ardennen Samstag, 10. Mai 2025

    Der Morgen begann klar und vielversprechend: Um 08:45 Uhr verließ ich Wesseling, die KTM Duke bereit für einen Tag voller Kurven, Landschaft und Gedanken. Die Strecke führte mich zunächst über die A553 und A1 bis zur Abfahrt Wisskirchen. Navi-App „Amigo“ auf kurvenreich gestellt, Kamera montiert – die Tour konnte beginnen.

    Erster Halt: der Stausee von Bütgenbach. Der künstlich angelegte See, gespeist von der Warche, entstand in den 1930er Jahren zur Stromerzeugung und Trinkwasserversorgung – was auch erklärt, warum hier keine Freizeitnutzung wie Schwimmen oder Surfen erlaubt ist. Eine stille, funktionale Schönheit, eingerahmt von den sanften Hügeln der belgischen Eifel.

    Stausee Bütgenbach

    Nächster Stopp: die Staumauer von Robertville. Sie wurde bereits zwischen 1925 und 1929 errichtet und staut die Warche zu einem See, der heute nicht nur Energie liefert, sondern auch als Naherholungsgebiet dient. Kanufahrer, Schwimmer und Angler finden hier ihr kleines Paradies – ein deutlicher Unterschied zum streng geschützten Bütgenbachsee.

    Staumauer

    Von dort zog es mich weiter zur legendären Rennstrecke Spa-Francorchamps. Doch anstatt stiller Asphaltidylle erwartete mich dort Hochbetrieb: Das 6-Stunden-Rennen der FIA World Endurance Championship war im vollen Gange. Menschenmengen, Absperrungen, Motorengebrüll – faszinierend, aber nichts für meine heutige Stimmung. Ich drehte um.

    Stattdessen: freie Fahrt durch die Ardennen. Schmale Straßen, dichter Wald, die KTM schnurrte durch Kurven, die kaum Platz für einen dritten Gang ließen. In Savy bei Bastogne machte ich Halt, stärkte mich mit echten belgischen Fritten – ein Klassiker, der nie enttäuscht.

    Restaurant „Am weißen Stein“ – was war ich da oft mit Opa und Oma – leider geschlossen.

    Ein Blick aufs Navi und den Kilometerstand: 300 km. Und dann – aus. Die Duke ging aus. Geplant, getestet. Ich hatte einen 2-Liter-Kanister dabei, um die Reichweite zu prüfen. Laut Bordcomputer: Verbrauch von 4,2 Litern auf 100 km. Bei 14 Litern Tankvolumen sollte das für etwa 333 Kilometer reichen. Doch die Realität sprach eine andere Sprache: Mit Haupttank plus Kanister – also 16 Liter – schaffte ich 330 Kilometer, was einem tatsächlichen Verbrauch von 4,85 Litern pro 100 km entspricht. Kurvenreiche Strecken, niedrige Gänge, viele Höhenmeter – das Display kalkuliert wohl zu optimistisch.

    Aussichtsturm – in meiner Kindheit war das noch eine Holzkonstruktion.

    Auf dem Rückweg fuhr ich durch Luxemburg, zurück nach Belgien, vorbei am Losheimer Graben – einst Schauplatz schwerer Kämpfe während der Ardennenschlacht 1944. Für mich heute still, fast ehrfurchtgebietend. Noch emotionaler wurde es wenig später: Der Weiße Stein – höchste Erhebung der Nordeifel. Hier habe ich als Kind viele Tage mit meinen Großeltern verbracht. Der Ort ist heute noch genauso beeindruckend wie damals – vielleicht sogar mehr.

    Tanken in Gemünd, dann zurück auf die Autobahn bei Wisskirchen. Die Rückfahrt war ruhig – die Gedanken noch bei den Kurven, der Geschichte, und der Erkenntnis, dass Planung auf zwei Rädern oft nur eine grobe Richtung ist.

    350 Kilometer, fünf Stunden im Sattel, eine Menge Eindrücke – und eine klare Lehre: Tankstopps spätestens bei 250 km einplanen. Und manchmal ist der Umweg der schönste Teil der Reise.